Afghanische Tochter ohne Recht zu schreien...

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Afghanische Tochter ohne Recht zu schreien..

Nadya Andjoman, die junge Dichterin aus Herat, die als Zukunftshoffnung und Ausnahmedichterin in ihrer Heimat galt, wurde von ihrem Mann zu Tode geprügelt. Gerade in dieser Gegend kommen solche Gewaltaktionen, vor allem gegen die Frauen, unglaublich oft vor. Nadya schrieb Gedichte darüber und versuchte sich durch Worte und Geschriebenes zu wehren, wodurch sie oft für Aufsehen sorgte. Nadja Andjoman wurde 1980 in Herat geboren, die alte Kulturstadt im Westen Afghanistans, die auch seit dem 15. Jahrhundert die "Stadt der Dichter" genannt wird. Sie schrieb seit ihrem 15. Lebensjahr Gedichte und studierte Literatur an der Universität von Herat. 2005, im Alter von 24 Jahren, veröffentlichte sie gleich zwei Gedichtsbände, wobei der zweite, „Rauchblumen“, für viele Diskussions- und Streitgespräche sorgte. Nach der Heirat mit einem Mitarbeiter der Literaturfakultät zog sie sich größtenteils aus der Öffentlichkeit zurück, die meist aus Lesungen bestanden hatte und brachte auch keine Gedichte mehr heraus. Nadja Andjoman wurde nur 25 Jahre alt . Nachdem die Polizei Verletzungen die von Schlägen herrührten festgestellt hatte, gab ihr Mann zu, sie verprügelt zu haben. Nadja Andjoman teilt das Schicksal tausender Frauen in Afghanistan, die in arrangierten Zwangsehen leben und nicht das Recht auf Eigenverantwortung besitzen, doch sie versuchte, den Schmerz und die geraubte Freiheit durch Worte auszudrücken und schaffte es anderen Unterdrückten Mut und Hoffnung auf bessere Zeiten zu machen. „Ihre Sprache und ihr Stil ist neu, und ihre Gedichte sind voller Leidenschaft“schrieb der Journalist Naqib Aroin für den persischsprachigen Dienst der BBC. „Das Recht zu schreien“ heißt eins ihrer bekanntesten Gedichte. Es handelt von den misshandelten, eingesperrten und für überflüssig gehaltenen Frauen in Afghanistan, die oft keinen Ausweg mehr sehen als Selbstmord durch Selbstverbrennung. Sie glauben durch die Gewalt des Vaters oder des Bruders sowieso sterben zu müssen. Dabei sieht der Koran selbst keine ungerechte Behandlung von Frauen und Töchtern vor: „Zu Seinen Zeichen gehört auch, daß Er euch Gattinnen aus euch selbst schuf, damit ihr bei ihnen ruht. Und Er hat zwischen euch Liebe und Barmherzigkeit gesetzt. Darin sind fürwahr Zeichen für nachdenkliche Leute.“ (Ar-Rum (30), 21) Durch solche Geschehnisse wird auch gerade die Kluft zwischen den Kulturen, zwischen den Religionen und zwischen Entwicklungs- und Industrieländern veranschaulicht und sie fachen Vorurteile gegenüber anderen Ländern und Gewohnheiten geradezu an. Nadya Andjoman gibt uns Europäern einen Einblick in die Lebenslagen der afghanischen Frauen, sie baut durch ihre Literatur Brücken zwischen den Kontinenten und deren Kulturen. Es ist ein Ansporn zu vermehrter Anstrengung, die Menschenrechte auf der ganzen Welt weiter einzufordern. Die Poetin zeigte Mut in der Öffentlichkeit, sie wollte das Unrecht nicht weiter verdeckt halten. Sie setzte ein Zeichen, das gerade durch ihren frühen Tod noch vertieft wurde.

Ronja Hohbach

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