Andere Wege des Lernens

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Andere Wege des Lernens – Die Freie Aktive Schule Stuttgart

Von Uta Hohenberger

Kinder bleiben »in ihrer Mitte«

Im Vertrauen darauf, dass das Potential zum Lernen in vielfältiger Weise in jedem Kind steckt, hat der gemeinnützige Trägerverein der Schule im September 2002 diese neue Grundschule eröffnet. Ausgehend von der Pädagogik Maria Montessoris und Rebeca Wilds hat eine Gruppe engagierter Eltern und Lehrerinnen ein für Stuttgart innovatives pädagogisches Konzept entwickelt. Hier können die Kinder ohne Direktiven ihre natürlichen Lernprozesse verfolgen. Jedes Kind ist anders und jedes kann etwas anderes gut. Daran anzuknüpfen ist eigentlich eine leichte Sache. Durch die achtsame Begleitung der beteiligten Erwachsenen wird den Kindern ein Gefühl von Sicherheit, Kompetenz und Geborgenheit gegeben. Authentische Bedürfnisse befriedigen zu können, führt zu zufriedenen, ausgeglichenen und selbstbewußten Menschen. Die entsprechend vorbereitete Umgebung mit Montessori- und anderem Material regt zum Lernen mit allen Sinnen an. Das Lernen geschieht im Tun und nicht in der reinen Wissensvermittlung. Jedes Kind stellt sich aus dem vielfältigen Lernangebot seine Aufgaben selbst zusammen und lernt mit der ihm entsprechend besten Methode, sei es nun Freiarbeit, alleine oder mit anderen, Projektarbeit, freies Spiel oder bei einer Exkursion. Es gibt keine Klassen, alle Angebote sind jahrgangsübergreifend. Im Angebot steht ab der ersten Klasse auch Englisch. Der Schule ist es wichtig, den ganzen Körper beim Lernen einzubeziehen, deshalb ist die freie Bewegungsentwicklung sehr wichtig. Von der Bewegungspädagogin Elfriede Hengstenberg entwickelte Turngeräte komplettieren das ganzheitliche Lernen.

Im Alltag

Wenn um 8.45 Uhr alle Kinder eingetroffen sind, beginnt die Angebotszeit mit dem morgendlichen Singen. Für manche Kinder ist dies jeden Tag der Einstieg ins Schulleben, andere gehen lieber gleich ins Sonnenzimmer mit dem didaktischen Material oder in den Werkraum und suchen sich eine Arbeit. Wenn im Laufe des Vormittags ein neues Angebot angekündigt wird, geht ein Kind oder ein Erwachsener mit einem Gong durch die Räume und teilt kurz mit, in welchem Raum welches Angebot stattfindet. Jeder Tag hat zwei oder drei besondere Angebote, die neben der ständig »vorbereiteten« Umgebung gerne genutzt werden. Mittwochs gibt es z.B. Formenzeichnen oder Exkursionen, Donnerstags Kochen und Englisch, Freitags Turnen, Dienstags Naturkunde und Experimente. Am Montag findet die Schul-Versammlung statt, hier können die Kinder und Erwachsenen ihre Anliegen einbringen. Regeln allerdings werden hier nicht festgelegt, sondern in besonderen Regelgruppen von den Kindern diskutiert und beschlossen. Seit die Schülerzahl auf 40 angewachsen ist, ist es zu schwierig geworden, in einer großen Gruppe neue Regeln zu finden. So ist die Regelgruppe entstanden, in die aber jedes Kind eintreten kann. Wer hier nicht mitentscheiden will, muss sich dann allerdings trotzdem an die dort entstandenen Regeln halten. Aktuell entscheidet die Gruppe gerade, was passiert, wenn jemand üble Schimpfwörter sagt... Nicht alle der 40 Kinder machen immer bei Angeboten mit, die einen gucken nur zu, die anderen betrachten währenddessen lieber unter dem Mikroskop kleine Blätter, die sie im Garten gefunden haben, wieder andere rechnen gerade mit dem Montessori-Perlenmaterial oder spielen im Bewegungsraum Theater. Vieles ist gleichzeitig möglich in dieser Schule, denn nach einer kurzen Einweisung arbeiten die Kinder selbständig weiter und die Begleiter können bei vielen vorbei schauen. Oft helfen auch die größeren Kinder den kleinen bei etwas weiter. Die Schule hält täglich in einer differenzierten Dokumentation die kindliche Entwicklung und die Lernfortschritte fest, schließlich gibt es keine Ziffern-Zeugnisse, sondern schriftliche Berichte und Lehrer-Eltern-Gespräche. Neben viel Freiheit gibt es natürlich auch Regeln und Grenzen, die Sicherheit und Geborgenheit geben und ein aggressionsfreies Miteinander ermöglichen sollen.

Erfolgserlebnisse beim Lernen

Der Forscherdrang, mit dem Kinder selbst gestellten Aufgaben aktiv nachgehen, und nicht zuletzt die dabei erlebte Lust am Lernen und die Erfolgserlebnisse, sind grundlegende Erfahrungen. Damit können sich Kinder auch in Zukunft jedes für sie relevante Wissensgebiet selbständig erschließen, ein Schatz fürs Leben! Die Freie Aktive Schule bietet den Raum dafür, dass Kinder Erfahrungen machen, die sie darin bestärken, Herausforderungen anzunehmen und auf Schwierigkeiten konstruktiv zu reagieren. Demokratische Mitbestimmungsrechte der Kinder, den Schulalltag und die Umgebung betreffend, gehören deshalb dazu. Was die Kinder hier für ihre Zukunft außerdem lernen, macht auch vielen Eltern Schwierigkeiten: Eigeninitiative, Teamarbeit, Entscheidungsfreude, Regeln finden, Kreativität, soziale und emotionale Intelligenz. Veränderungsbereitschaft und eigene Lernprozesse der Eltern sind deshalb sehr wichtig. Für die Qualität einer Freien Schule ist das Engagement der Eltern und LehrerInnen entscheidend. Vielfältige Talente der Eltern sind gefragt. Die Sekundarstufe ist gerade in Planung, ab Herbst 2006 soll die Schule dann weiter wachsen zu einer Werk-Realschule.

Jahrbuch und pädagogisches Konzept

Das umfangreiche und mittlerweile dritte Jahrbuch der Schule ist im November 2005 erschienen und bietet auf 112 Seiten einen spannenden Einblick ins Schulleben. Es kann, ebenso wie das pädagogische Konzept, zum Preis von je 10 Euro (inkl. Versand) bestellt werden. Nächste Gelegenheit, die Schule zu besichtigen besteht wieder am Tag der offenen Tür am 14.Mai 2006. www.FAS-Stuttgart.de oder Telefon: 0711 - 81 75 89

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