Creutz

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Hier jetzt mal die Sachen uns von Creutz geschickt wurden:

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Leserbrief von Helmut Creutz

helmut.creutz@iit-online.de info: www.helmut-creutz.de

Liebe Redaktion,

über die gute Aufarbeitung des Themas Geld in der Ausgabe Nr. 55 habe ich mich gefreut, vor allem über die sachlich zutreffende und gut verständliche Darstellung durch Dave Tjiok. Umso enttäuschender waren für mich die einseitigen Beiträge zu diesem Komplex auf den Seiten 4 und 5 in der Ausgabe Nr. 56, die weitgehend an den Sachfragen vorbei geschrieben waren und sich durch Unterstellungen und Verleumdungen auszeichneten.

Da ich mehrfach das Opfer dieser Unterstellungen bin, hoffe ich sehr auf die Bereitschaft, meine beigefügte „Erklärung in eigener Sache“ in entsprechender Größe zu veröffentlichen. Damit die Leser sich auch über meine in Frage gestellte Sachkompetenz ein Bild machen können, würde ich es weiterhin für wichtig halten, gleichzeitig einen Originalbeitrag von mir zu bringen. Das vor allem, weil diverse Ausführungen in der Nr. 56 nicht nur als Rufschädigung auszulegen sind, sondern - da ich von meinen Schreib- und Vortragstätigkeiten lebe - auch als Berufs- bzw. Geschäftsschädigung!

Für eine solche Sachveröffentlichung lege ich drei Texte zur Auswahl und zum honorarfreien Abdruck bei, wobei mir - und sicher auch Euch? - der zum Thema Wachstum der liebste wäre. Die Dateien für Texte und Grafiken sende ich gerne zu.

Da die Angelegenheit für mich sehr wichtig ist, bitte ich um eine Stellungnahme zu diesem Schreiben bis spätestens zum 12. Dezember.

Mit besten Grüßen


Anlagen:

Erklärung in eigener Sache
Wachstum, Wachstum über alles!
Arbeitszeit verlängern oder verkürzen?
Kapitalismus - was ist das eigentlich?


In eigener Sache!

Einige Mitstreiter aus dem linken Lager, die sich normalerweise ähnlich wie die Aktiven in der Geld- und Bodenreformbewegung um eine Überwindung der sozialen Ungerechtigkeiten bemühen, scheinen in ihr einen unliebsamen Konkurrenten zu sehen! Denn statt unterschiedliche inhaltliche Auffassungen zu diskutieren, versucht man diese Bewegung als rechtslastig mundtot zu machen. So auch in den Beiträgen zum Themenkomplex „Zinskritik“ in der Ausgabe 56 der BUNDjugendzeitung „Kritische Masse“, bezogen auf meine Person! Da aber weder in meiner Vita noch in meinen Veröffentlichungen Rechtslastiges oder gar Rechtsextremes zu finden ist, konstruiert man einfach entsprechende Kontakte:

Bei meinen 750 Vorträgen und Seminaren war ich vor etwa 20 Jahren drei Mal in einer staatlich geförderten Heimvolkshochschule, in der angeblich vor oder nach mir auch rechte Gruppierungen oder der WSL getagt haben: Deshalb wirft man mir Kontakte mit diesen vor!

Bei meinen hunderten Veröffentlichungen in dutzenden Zeitschriften gab es in einer der Redaktionen einmal ein NPD-Mitglied: Deshalb unterstellt man mir Verbindungen zu dieser Partei!

Mein Buch „Das Geld-Syndrom“ ist vor zwölf Jahren bei Langen-Müller-Herbig-Verlag erschienen, der zu einer Verlagsgruppe gehört, in die sich ein rechts eingestufter Finanzier eingekauft hat: Dies wird als Beweis für meine Rechtslastigkeit herangezogen (die dann allerdings auch für Willi Brandt, Norbert Blüm, Simon Wiesenthal, Ephraim Kishon und viele andere dort gedruckte Autoren gelten müsste!).

Es geht bei diesen „Beweisen“ also nicht um Aufklärung, sondern nur um Diffamierungen mit Hilfe der gleichen Kontaktketten-Methoden, mit denen einst die Gestapo Zehntausende unschuldige Menschen in die KZ´s gebracht hat! Dass diese Methoden auch heute noch benutzt werden, und zwar von Menschen die sich als Antifaschisten bezeichnen, ist für mich als Zeitzeuge besonders bedrückend! Ebenso, dass man keine Hemmungen hat, Anschuldigungen auch einfach zu erfinden, wie z.B. die unterstellte Mitgliedschaft in der FSU. Klar das er das in seinen esoterischen Butterwelten nicht mehr versteht. (2) Klaus Schmitt versuchte seinerzeit eine Veranstaltung mit Peter Bierl, einem der pronounciertesten Kritiker der Freiwirtschaft, durch Verwendung einer Gaspistole zu stören.

Und das sind meine wirklichen politischen Kontakte, Aktivitäten und Mitgliedschaften seit den 1960er Jahren:

Dritte-Welt- und Friedensgruppen, Humanistische Union, Sozialdemokratische Wählerinitiative, Gustav-Heinemann-Initiative, Mitbegründung der Alternativen Liste und der Grünen, Kandidatur für Kreis- und Landtag, Teilnahme an den Großdemos gegen Vietnamkrieg, Notstandsgesetze und Raketen-Nachrüstung in Bonn, usw.

Außerdem war ich viele Jahre Mitglied im BUND, dem Schriftstellerverband, der Gewerkschaft sowie im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“, der 1973 mein Betriebstagebuch, „Gehen oder kaputtgehen“, als Starttitel seiner Buchreihe herausbrachte!


Es ist nachvollziehbar, dass jene, die im politischen Raum links an der Wand stehen, alle anderen zwangsläufig als rechts von sich einordnen müssen. Aber es gibt ihnen kein Recht, alle anderen als rechtslastig zu diskriminieren, schon gar nicht mit Hilfe der Faschismus- oder Antisemitismus-Keule! Außerdem geht es bei dem täglich wichtiger werdenden Thema einer Geldreform gar nicht um links oder rechts, sondern um richtig oder falsch, gerecht oder ungerecht, zukunftsfähig oder zukunftsgefährdend! Es geht also um eine Korrektur unseres Geldsystems durch eine Umlaufsicherung, die - wie John Maynard Keynes das in seinem Hauptwerk “Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ ausgedrückt hat - „der vernünftigste Weg (sei), um allmählich die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus loszuwerden.“

Und auch von Gesell (bei dem zweifellos ebenso fragwürdige Äußerungen zu finden sind wie bei jedem anderen Zeitgenossen, einschl. Marx!) hatte Keynes eine andere Meinung als heute seine linken Kritiker. So schrieb er, ebenfalls in seinem Hauptwerk: „Ich glaube, dass die Zukunft mehr vom Geiste Gesells als von jenem von Marx lernen wird.“ - Vielleicht ist gerade diese fast seherische Aussage der Grund für einige Linksextreme, mit allen Mitteln die Aktivitäten der Geld- und Bodenreformbewegung zu verleumden, nicht zuletzt um damit Interessierte von der Befassung mit den Inhalten dieser Reform abzuhalten!

Wie wichtig diese Reform jedoch wäre, zeigt sich schon an der Entwicklung der Bankzinserträge, die 1950 noch bei 5% der Nettolöhne und -gehälter lagen, bis 1980 aber bereits auf 34% dieser Lohngröße anstiegen und im Jahr 2000, mit 370 Milliarden Euro, bereits 65% und damit zwei Drittel der Nettolöhne erreichten und diese - wenn nichts geschieht - in etwa zehn Jahren übersteigen werden! Oder um andere Vergleiche zu ziehen: Im Jahr 2000 lagen diese Bankzinserträge bei 80% der gesamten Steuereinnahmen bzw. 130% des Bundeshaushalts! Aber von solchen Fakten wollen die Altlinken nichts wissen, weil sie ihnen nicht ins Konzept passen bzw. bei Marx nicht zu finden sind.


Ich kann verstehen, dass manche Leser durch die Anschuldigungen gegen die Geldreformbewegung und mich irritiert sind. Sie können sich aber an Hand meiner Veröffentlichungen wie auch meiner Vita selbst ein Urteil über meine Person bilden - und vielleicht auch ein Urteil über jene, die auf die beschriebene Weise mich und die Geld- und Bodenreformbewegung zu diffamieren versuchen!

Texte und Grafiken von mir sind z.B. zu finden unter: www.subventionsberater.de , www.politik-poker.de, www.gerechtesgeld.de, www.inwo.de, www.equilibrismus.de und vor allem auf den Seiten www.geldreform.de, auf denen sogar mein Buch „Das Geldsyndrom“ eingesehen und herunter geladen werden kann. Und wer sich für die Auseinandersetzung zu diesem Thema innerhalb der Linken interessiert, findet dort ebenfalls auch eine interessante Schrift des Rudi-Dutschke-Kompagnons aus der K1, Klaus Schmitt, mit dem Titel „Entspannen sie sich, Frau Ditfurth!“

Aachen, im November 2005

Helmut Creutz


Erwiderung auf Helmut Creutz:

Zu Creutze kriechen?

Einen größeren Gefallen kann Helmut Creutz seinen Kritikern gar nicht tun. Es kalauert munter von Antisemitimus-Keulen und einem angeblichen Gestapo-Gestus. Dabei ist es in seiner Penetranz nur ein verzweifelter Versuch, richtig zu stellen, was nicht richtig zu stellen ist. Eine Danksagung von Lars Strojny

Danke, Herr Creutz. Besser hätten sie das nicht machen können. Ab und an hat man es als Kritiker in einer Redaktion, die sich nicht so recht mit Ökonomie beschäftigen will, ja schon schwer. Man muss sehr häufig die Kritik ausweiten, auf rechte Verbindungen, auf antisemitische Bilder, weil's über die gute alte Ökonomie allein nicht zu machen ist. Nun kann man sich aber offensichtlich auf seine politischen Gegner verlassen: sie erweisen sich zuverlässig einen Bärendienst. So auch in diesem Fall. Anstatt zu widerlegen, was man ihm vorwirft, mutmaßt Creutz munter zu den Motiven der Vorwürfe, die man ihm macht. Kritiker schwängen die »Antisemitismus-Keule« und pröben Gestapo-Methoden. Nicht nur dass diese Vergleiche absurd sind, sie zeigen seine Geisteshaltung. Er fühlt sich verfolgt, von bösartigen Marxisten - oder wahlweise auch »Linksextremen« - die nichts weiter tun wollen, als seine ach so seriösen ökonomischen Arbeiten zu zerstören und ihm - nebenbei gesprochen - damit auch noch die Existenzgrundlage rauben. Dabei geht er mit keinem Wort auf die in der letzten Ausgabe von mir und anderen formulierte Kritik ein. Gesells Biographie ist ihm egal, dass dieser Quacksalber am Ende seines Lebens in der esoterischen Siedlung Eden »endete«, passt gut zu seinen sonstigen Vorstellungen. Dass sich bei Marx antisemitische Stellen finden lassen, bestreitet ja niemand, sie sind zu kritisieren. Nicht mehr und nicht weniger. Der Unterschied: Marx wusste, um was es geht, wenn er vom »automatischen Subjekt« schrieb, die politische Ökonomie der ihr probaten Kritik unterwarf oder die Auseinandersetzung gegen Proudhon führte, die wir heute mit Gesells geistigen Kindern und Kindeskindern führen müssen, weil die Vernunft eben doch nicht über die Geschichte siegt oder bisher nicht gesiegt hat. Während eben dieser Gesell nicht einmal einen Begriff von kapitalistischer Ökonomie und der Diktatur des Werts hatte(1). Von wem also können wir heute mehr lernen? Von einem, dessen falsche Ideen bis heute wirken und der in alternder Senilität sich in eine esoterische Kommune zurückzog oder einem, dessen Theorem sich bis heute täglich als zutreffend erweißt, der trotz alledem auch Falsches sagte und schrieb? Der biographische Vergleich der beiden fällt noch deutlicher aus. Entwickelte sich Marx von einem idealistischen Hegelianer zu einem Materialisten reinster Coleur, wurde Gesell in zunehmendem Alter immer spinnerder – und starb in eben jener Esoterik-Kommune.

Freiwirtschaft, ökonomisch

Das Interessante ist aber, die Freiwirtschaft sich weiterhin unter ökonomischen Gesichtspunkten anzusehen. Die Lehre der Freiwirtschaft besagt, dass das Grundproblem sei, dass Geld gehortet werden kann. Dass es also, ohne selbst Mehrwert zu produzieren, »von selbst wächst«. Hier zeigt sich gleich einmal der erste Fehler: Geld wächst nicht »von selbst«, sondern Zinsen sind die »Kundenbeteiligung« an der Wertschöpfung des jeweiligen Kreditinstituts«. Sie werden ausgezahlt, weil man sein Geld unter die Verfügungsgewalt der Bank gibt und diese mit diesen Mitteln investieren kann. Dem gegenübergestellt wird das »bessere Geld«, das direkt investiert wird. Dabei passiert mit dem Vermögen auf das Kreditinstitut gar nichts anderes, nur eben vermittelt über das Kreditinstitut selbst. Diese künstliche Trennung ist eine, die nicht zu halten ist und des weiteren das alte, antisemitische Bild des »schaffenden« und »raffenden Kapitals« bedient. Dies ist die »Antisemitismus–Keule«, die ich gerne zu schwingen bereit ist. Ein weiterer Punkt ist der ständige Bezug auf das Wachstum. Als sei es ein linkes bzw. ökologisches Projekt Wachstum anzukurbeln. Damit eröffnet sich auch die grundsätzliche Kritik der Freiwirtschaft: sie ist immanent, also im Grunde genommen politikberatend statt antipolitisch, sie will das Bestehende erhalten, statt die Herrschaft des Werts und der abstrakten Zeit auf die Müllkippe der Geschichte zu entsorgen, wo ihr einzig angemessener Platz wäre. Interessant dabei, dass die Damen und Herren »Freiwirtschafter« immer wieder als Wachstumskritiker wahrgenommen werden, was sie nicht sind. Ihr Modell verspricht Wirtschaftswachstum, Aufschwung und Konjunkturbelebung. Dass genau dieser Wahnsinn dazu führt, dass die weltweiten ökologischen Resourcen nach und nach verschwinden brauche ich wohl keinem weiter zu erklären. Somit doktort die Freiwirtschaft an den falschen Enden. Sie will reparieren, was nicht zu reparieren ist. Sie ist somit nur eine weitere Strömung der Kapitalismus-Verschlimmbesserer und steht damit irgendwo zwischen der SPD und dem BDI, auf dessen Tagungen sie wunderbar kompatibel wäre. Im Gegensatz zur Sozialdemokratie geht es ihr aber noch nicht einmal um Umverteilung, sondern die Vision der Freiwirtschaftler ist ein brutalisierter Kapitalismus, in dem man gezwungen ist, zu konsumieren. Diese »Utopie des Dr. Frankenstein« kommt in regelmäßigen Abständen aus der Versenkung hervor.

Die Attraktivität der Freiwirtschaft zieht sie aus ihrer Einfachheit: »Das Geld ist schuld«. Die Verschiebung der Kritik auf das Tauschmittel, anstatt den Tausch und damit notwendigerweise den Wert zu kritisieren ist eine populistische Masche, die vor allem für jene attraktiv ist, die genug Geld haben. Vom goldnen Turme lässt sich's Golde leichter hassen. Und wären die hiesigen Atomkraftwerke oder der Drei-Schluchten-Staudamm oder der Bau der Fildermesse denn besser, wenn das Kapital »unverzinst« agieren würde?

Bodenreform

»Der Boden den Frauen« ist die ureigene Forderung der freiwirtschaftlichen Bodenreformideen. Man handelt natürlich in bester Absicht: man will das Geschlechterverhältnis durch Umverteilung von Männern zu Frauen auflösen. Dass Umverteilung zur Überwindung der gesellschaftlichen Kluft zwischen Mann und Frau ein wichtiger Punkt ist, sei nicht bestritten. Die Umeignung unter gleichzeitiger Bewahrung althergebrachter Rollenbilder ist hingegen schlichtweg reaktionär.

Gesells Kinder

Freiwirtschaftler, die ab und an auch gerne mit Gaspistolen auf ihre politischen Widersacher losgehen(2), finden sich überall. Die INWO (Initiative für eine neue Wirtschaftsordnung) platziert ihre Kader gut verteilt. Sie finden sich bei Attac, wo sie sich immer wieder zwischen Marxisten und Neokeynesianisten zerrieben fühlen und in ähnlichen NGOs oder – der Frei Sozialen Union. Letztere wurde 1950 gegründet und ist die Nachfolgepartei der SRP, die widerrum direkter Nachfolger der NSDAP ist. Ferdinand Böttger, ehemaliges SRP-Mitglied, war von 1969-82 Generalsekretär der FSU, später kamen Max Otto Bruker und Prof. Helmuth Mommsen, die beide beim neonazistischen »Weltbund zum Schutze des Lebens« aktiv waren hinzu. Dieser Partei stand Helmut Creutz nahe und publizierte mehrmals in deren Zeitschrift »Der dritte Weg« (heute in »Humanwirtschaft« umbenannt). 1999 sah sich diese Partei gezwungen, ihr Parteiprogramm du ändern. Sie tilgte dabei den Satz, der die DDR als Mitteldeutschland bezeichnete. Eine verbreitete Sprachregelung in der Rechten, die weiterhin auf die Rückgabe der ehemals deutschen Ostgebiete beharren. Dem kommt die Zusammenarbeit von Herr Creutz mit den vom »Weltbund zum Schutze des Lebens« publizierte »Lebensschutzinformationen« hinzu. Helmut Creutz selbst bezeichnet diese FSU als »Partei der Mitte«. Eine Verharmlosung sondersgleichen.
Dies sind einfach Fakten, die sich auch nicht durch die Creutz’schen Anführungszeichen weggeschrieen werden können. Sie bleiben und sind – solange keine Distanzierung erfolgt – der status quo.

Herr Creutz, damit sei die Auseinandersetzung erst einmal beendet. Sie werden nichts Neues mehr beizutragen haben. Zum Schluss sei mir noch eine Anmerkung gestattet: ich bin alles mögliche aber ganz sicher nicht ihr Mistreiter. Denn wir haben unterschiedliche Ziele, auf immmer. Dass sie mir und anderen Kritikern Gestapo-Methoden vorwerfen, zeigt vor allem ihre Unkenntnis der Geschichte. Ein trauriges Kapitel, hoffentlich für immer abgeschlossen.


  • (1) Gesell schrieb einst über den Wert: »geheimnisvolle, gespensterhafte Eigenschaft der Waren«. Klar, dass er das in seinen esoterischen Traumwelten nicht mehr verstanden hat.
  • (2) Klaus Schmitt versuchte seinerzeit eine Veranstaltung mit Peter Bierl, einem der pronounciertesten Kritiker der Freiwirtschaft, durch Verwendung einer Gaspistole zu stören.

alternative Antwort auf Helmut Creutz

Sehr geehrter Herr Creutz,


dass ein Teil der sogenannten „Linken“ akribisch nach Möglichkeiten sucht, Menschen mit anderen Meinung in die faschistische Ecke zu stellen oder auch anderswie in den Boden zu treten, bin ich mir durchaus bewusst und kritisiere dieses Verhalten auch vehement. Das Damoklesschwert, das bei einer nicht zu 100% von allen Missdeutungsmöglichkeiten freien Aussage über einem schwebt, empfinde ich als massive Autoritätsausübung mittels Diffamierung und Rufmord.Und was mich daran am meisten stört: Jegliches Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb von emanzipatorischen, libertären, alternativen Bewegungen wird dadurch angegriffen bis zerstört – es ist ein Zersetzen der sozialen Bewegungen von innen zu Zeiten, wo das herrschende System immer mehr Lebensbereiche unter neoliberaler Flagge verwertet und vereinnahmt. Dieses Verhalten fängt für mich eigentlich bereits dort an, wo man sich selbst oder andere als „rechts-links-linksextrem etc.“ einordnet. Denn es sollte doch darum gehen, Personen, Gruppen, Bewegungen in dem zu betrachten, was sie tun – und zwar als Ganzes. Nur daran lässt sich erkennen, wo wirklich faschistisch gedacht oder gehandelt wird – und ich sehe leider mit Erschrecken, dass dies unterschwellig noch viel verbreiteter ist als öffentlich wahrgenommen – auch und gerade in Deutschland. Gleichzeitig möchte ich aber auch darum bitten, mit dem Begriff „linksextrem“ vorsichtiger umzugehen. Dieses Schubladendenken sehe ich leider auch in Ihrem Schreiben, z.B. durch Zitate wie „links an der Wand“. Eine Skala von „1-10 linksextrem“ gibt es nicht, stattdessen eine große weltweite pluralistische Vielfalt von Graswurzelbewegungen, Freiraumprojekten, alternativen Lebenskonzepten, Ansichten zu bestimmten Themen, Denkschulen und Theorien (Marx ist zwar nach wie vor ein wichtiger Denker der Bewegungen, hat allerdings bei den meisten seine Sonderrolle eingebüßt.). Auf den ersten Blick passt diese Vielfalt vielleicht noch nicht einmal zusammen und doch haben sie eines gemeinsam: Den Widerstand gegen das herrschende System aus Kapitalismus, Rassismus und Sexismus. Ich persönlich würde nicht im Ausschließen aus diesen Bewegungen den Sinn meines Handelns sehen, sondern versuche in all meinem Handeln, Menschen dort zu integrieren – und bei dieser Herangehensweise sehe ich zwischen Ihnen und den Bewegungen durchaus Anknüpfungspunkte für eine konstruktive Diskussion. Zumindest halte ich die Problematik des Zinssystems durchaus für diskutierenswert - als eine Ursache für die Probleme auf der Erde, jedoch nicht als die Hauptursache. Der langen Rede kurzer Sinn: Schubladen wie „linksextrem“ dienen höchstens den Aktenschränken der staatlichen Bürokratie, werden aber der Realität von Buntheit und Vielfalt sozialer Bewegungen in keinem Falle gerecht. Ich hoffe, Sie durch meine Sichtweise zum Nachdenken angeregt zu haben und hoffe, dass sie künftig nicht mehr so schnell solche Schubladen aufmachen. Falls sogar meine kühnsten Hoffnungen erfüllt würden und ich bei Ihnen Interesse für die neuen sozialen Bewegungen des beginnenden 21. Jahrhunderts (Stichwort Globalisierung) geweckt haben sollte, würde ich Ihnen eine Lektüre ans Herz legen: „Go.Stop.Act! Die Kunst des kreativen Straßenprotests“ (erhältlich über www.go-stop-act.de) von Marc Amann. Darin geht es nicht zuletzt um die von mir angesprochene Vielfalt...

Viele Grüße!

Mandus Craiss



alternative Antwort auf Helmut Creutz mit Lars unverzichtbarem Senf

Sehr geehrter Herr Creutz,


dass ein Teil der sogenannten „Linken“ akribisch nach Möglichkeiten sucht, Menschen mit anderen Meinung in die faschistische Ecke zu stellen oder auch anderswie in den Boden zu treten, bin ich mir durchaus bewusst und kritisiere dieses Verhalten auch vehement.

Das ist irgendwie komisch, weil mir das in meiner halbwegs langen linken Karriere noch nicht untergekommen ist. Oder meinst du, dass manche Linke den Begriff des Faschismus ständig verwenden und ihn damit hirn- und zwecklos werden lassen. Wenn dem so wäre, solltest du das anders formulieren.

Das Damoklesschwert, das bei einer nicht zu 100% von allen Missdeutungsmöglichkeiten freien Aussage über einem schwebt, empfinde ich als massive Autoritätsausübung mittels Diffamierung und Rufmord.

Diese Aussage würde ich als Ode an die Beliebigkeit werten. a) ist es real nicht so, dass man damit ständig zu kämpfen hätte und b) macht es doch schon Sinn, aufmerksam zu sein.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Und was mich daran am meisten stört: Jegliches Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb von emanzipatorischen, libertären, alternativen Bewegungen wird dadurch angegriffen bis zerstört – es ist ein Zersetzen der sozialen Bewegungen von innen zu Zeiten, wo das herrschende System immer mehr Lebensbereiche unter neoliberaler Flagge verwertet und vereinnahmt.

Hier haben wir eine Differenz. Ich stehe für das Prinzip Korrektheit vor Einheit. Einheit ergibt sich aus der übereinstimmenden inhaltlichen Position, nicht die inhaltliche Position über die Einheit selbst.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Dieses Verhalten fängt für mich eigentlich bereits dort an, wo man sich selbst oder andere als „rechts-links-linksextrem etc.“ einordnet.

Wieso denn? Ich gehöre politisch zur äußersten Linken. Denn ich bin für die positive Auflösung der sozialen Frage unter dem Motto »Gegen Kapitalismus und alles was dahinter zurückfällt«.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Denn es sollte doch darum gehen, Personen, Gruppen, Bewegungen in dem zu betrachten, was sie tun

... und was sie sagen
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)
– und zwar als Ganzes. 
Naja, wenn in der Tendenz einzelne falsches sagen, sind die selbstredend auch zu kritisieren.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Nur daran lässt sich erkennen, wo wirklich faschistisch gedacht oder gehandelt wird – und ich sehe leider mit Erschrecken, dass dies unterschwellig noch viel verbreiteter ist als öffentlich wahrgenommen – auch und gerade in Deutschland.

Es geht doch nicht nur um Faschismus, auch Sozialdemokratie ist eine falsche Ideologie.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Gleichzeitig möchte ich aber auch darum bitten, mit dem Begriff „linksextrem“ vorsichtiger umzugehen.

Als »linksextrem« denunziert zu werden, ist doch ok. Vor allem weil

Dieser Begriff ist vom Verfassungsschutz, einem Geheimdienst wie auch z.B. die CIA, eingeführt worden, um Bewegungen diffamieren zu können, die direkte Aktionen durchführen, Eigentumsverhältnisse oder das gesamte System hinterfragen oder auch nicht mehr darin leben wollen.

Der Begriff ergibt sich daraus, dass es eine politische Idee gibt, die im gesellschaftlichen Diskurs als  »links« gilt. Ist diese Position substanziell, so ist sie »extrem«. OK, so what?

Dieses Schubladendenken sehe ich leider auch in Ihrem Schreiben, z.B. durch Zitate wie „links an der Wand“. Eine Skala von „1-10 linksextrem“ gibt es nicht, stattdessen eine große weltweite pluralistische Vielfalt von Graswurzelbewegungen, Freiraumprojekten, alternativen Lebenskonzepten, Ansichten zu bestimmten Themen, Denkschulen und Theorien (Marx ist zwar nach wie vor ein wichtiger Denker der Bewegungen, hat allerdings bei den meisten seine Sonderrolle eingebüßt.).

...was ein Problem ist, merkt man ja an der Unfähigkeit vieler, sich der Ökonomie richtig zu widmen.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Auf den ersten Blick passt diese Vielfalt vielleicht noch nicht einmal zusammen und doch haben sie eines gemeinsam: Den Widerstand gegen das herrschende System aus Kapitalismus, Rassismus und Sexismus.

Was ich widerrum für absurd halte. Das ist die klassische Lüge des »Tripple of Opression«. Und außerdem wundert mich das, gehören doch die Anarchisten seit Anfang der 90er zu den stärksten Kritikern der Theorie, dass es einen Hauptwiderspruch o.ä. gäbe. Und die Theorie »Tripple of Opression« ist eine Ausweitung des Hauptwiderspruchs auf eben drei Bereiche.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Ich persönlich würde nicht im Ausschließen aus diesen Bewegungen den Sinn meines Handelns sehen, sondern versuche in all meinem Handeln, Menschen dort zu integrieren – und bei dieser Herangehensweise sehe ich zwischen Ihnen und den Bewegungen durchaus Anknüpfungspunkte für eine konstruktive Diskussion.

Wo denn? Seine Theorien haben nichts dem zu tun, wofür die KM steht.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Zumindest halte ich die Problematik des Zinssystems durchaus für diskutierenswert - als eine Ursache für die Probleme auf der Erde, jedoch nicht als die Hauptursache.

Das ist Unfug. Sie ist überhaupt kein Problem. Sie ist Resultat des Kapitalismus und gar nicht bekämpfbar.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Der langen Rede kurzer Sinn: Schubladen wie „linksextrem“ dienen höchstens den Aktenschränken der staatlichen Bürokratie, werden aber der Realität von Buntheit und Vielfalt sozialer Bewegungen in keinem Falle gerecht. Ich hoffe, Sie durch meine Sichtweise zum Nachdenken angeregt zu haben und hoffe, dass sie künftig nicht mehr so schnell solche Schubladen aufmachen.

Was ich an der ganzen Antwort interessant finde, dass du nur über die Form (»Buntheit«) und nicht über den Inhalt (»Freiwirtschaft«) redest. Warum eigentlich nicht? Hast du zur Freiwirtschaft einen Meinung oder nicht?
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)

Falls sogar meine kühnsten Hoffnungen erfüllt würden und ich bei Ihnen Interesse für die neuen sozialen Bewegungen des beginnenden 21. Jahrhunderts (Stichwort Globalisierung) geweckt haben sollte, würde ich Ihnen eine Lektüre ans Herz legen: „Go.Stop.Act! Die Kunst des kreativen Straßenprotests“ (erhältlich über www.go-stop-act.de) von Marc Amann. Darin geht es nicht zuletzt um die von mir angesprochene Vielfalt...

Viele Grüße!

Da ich das Buch nicht kenne, kann ich das nicht kommentieren. Marc erschien mir immer recht vernünftig aber trotzdem, ich kann dazu nichts sagen. Wobei ich es ja eher strange finde, dass du ein Buch über die Form (»Go.Stop.Act«, Widerstand) als Antwort auf Inhalte setzt. Aber gut, wie du meinst. Ich würde ihm ja Marx empfehlen, vielleicht auch »Die Abenteuer der Wahre« von Anselm Jappe. Das ist ein gutes, wertkritisches Standardwerk. Würde ich im Übrigen auch dir empfehlen, das einmal zu lesen. Danach werden vielleicht ein paar Dinge deutlicher sein.
--mastaYoda 15:15, 23. Dez 2005 (CET)


alternative Antwort, Lars Senf und Mandus kurze Antwort

"Tragisch ist, dass die Dummen von ihrer Meinung felsenfest überzeugt sind, während die Denkenden voller Zweifel sind." So überzeugt von deiner Meinung, dass du meinen Text nicht mal mehr als ein zusammenhängendes Ganzes lesbar lassen kannst, sondern jeden Teil einzeln und ohne kontext unreflektiert schlecht reden musst ... unterbewusst ahnend aber verdrängend, dass du im Ganzen falsch liegst ... (Ein voller Text ist eine produktive Form der Artikulation, da du das puzzle einzelner Argumente und Definitionen selbst verknüpfen kannst und damit deine von anderen meinungen abgegrenzte Meinung bekommst - du hast "etwas von dir selbst geschaffen", worauf man wieder arbeit aufbauen kann)

Wieder Kritik an der Form, aber wenn menschen über die form den inhalt verdrehen, muss die form kritisiert werden - mensch kann gentechnik nicht kritisieren, ohne den kapitalismus kriitsch zu erkennen - das ist genau das revolutionäre element der systemkritik...

... und da ich nur in herrschaftsfreien diskursen gerne mitdiskutiere, habe ich echt gar keine lust, auf "lies mal"-belehrungen, unbegründeten bornismen wie "klassische lüge" oder "das ist unfug"-dogmen einzugehen. Erst sprechen lernen, dann diskutieren anfangen! Aber da ich weiß, dass du diesen Hinweis schon seit Jahren abblockst, muss ich dir leider das von dir selbst formulierte prädikat "aufklärungsresistent!" zugestehen...

Mandus

Ich kommentiere das nicht weiter, mich würden aber Antworten schon noch interessieren. --mastaYoda 06:40, 1. Jan 2006 (CET)
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