Es geht auch anders
Aus Kritische Masse Wiki
Quelle: Der folgende Artikel erschien im Februar 2004 in der kritischen Masse Nr.50 auf Seite 24 links oben
Karawane 03
Es geht auch anders
oder: Gibt es einen guten Staat?
8 Tage lang fuhren wir mit unseren Drahteseln den Rhein entlang. Wir, das waren bis zu 10 engagierte Jugendliche. Ende Juli trafen wir uns in Achern, bereits dort erwarteten uns einige engagierte Umweltschützer, um uns über eine geplante Skihalle in Sasbachwalden zu informieren. als wir dann am angedachten Platz ankamen, einem Berg am Rande des Schwarzwaldes, wurden wir direkt noch einmal empfangen, diesmal von den nicht eingeplanten Befürwortern, irgendwie auch nicht so ganz freundlich. Im Laufe der sich ergebenden Diskussion erheiterten uns so tolle Argumente wie: "Wenn kein Schnee mehr liegen bleibt, brauchen wir eben eine Skihalle" oder:"die Übernachtungszahlen werden endlch wieder steigen, wenn die Leute nicht mehr in die Alpen fahren müssen" Nun gut, weil ja auch fast alle Skifahrer eine Woche lang diesselbe 500m lange Piste hinunterfahren wollen, am besten den ganzen Sommer über.
Abends fing dann bereits eine Diskussion an, die sich über die ganze Karawane hinzog: "gibt es einen guten Staat?" (wozu sich Mimi inzwischen umfassend Gedanken gemacht hat).
Am nächsten Tag radelten wir weiter nach Kehl, um dort unter anderem etwas über Bauwut bei Biomasseheizkraftwerken zu erfahren und was eben alles noch unter die Bezeichnung "Biomasse" fällt.
Während wir radelten, fuhr Buddy unser Gepäck in einem alten Schäferwagen mit Traktor nebenher, der wie letztes Jahr auch das Aushängeschild der Karawane war. Von Kehl ging es weiter nach Weißweil, wo uns Lore Haag, Mitbegründerin des BUND, vieles zum verhinderten AKW in Whyl und einiges zur Grenzsituation Deutschland-Frankreich im zweiten Weltkrieg erzählte - trotz oder gerade wegen des Altersunterschiedes einer der Höhepunkte unserer Tour. Am Mittwoch war Freiburg an der Reihe. Axel Mayer zeigte uns per Diashow sehr eindringliche Beispiele, was es so alles an Umweltsauereien in direkter Nachbarschaft zu finden gibt, wenn Mensch nur genau aufpasst. Auch am Donnerstag begleitete er uns zum AKW Fessenheim. (Das übrigens sehr umweltfreundlich ist: es werden Orchideen gezüchtet, Müll getrennt und Energiesparlampen eingesetzt. für diese Meisterleistung hat das AKW denn auch das Umweltzertifikat ISO 14001 bekommen.)
Von Fessenheim aus sind wir dann noch einige Kilometer gefahren und haben uns dann einen Platz zum Zelten gesucht. Gefunden haben wir ihn direkt neben einem Badesee. Schwimmen war im extrem heissen August 2003 nach Fahrradfahren und Info-/Aktionsprogramm die Hauptbeschäftigung der Karawane.
Am Freitag radelten wir nach Weil am Rhein, wo wir mehr oder weniger bis Sonntag blieben. Am Samstag beteiligten.wir uns an einem "Z´vieri" (Protest-Picknick) gegen eine geplante Bundesstrasse durch das Schweizer Gebiet, die zwei Dörfer etwas schneller miteinander verbinden soll.
Alles in allem viele Informationen, vor Ort, dafür leider sehr wenige Aktionen. Nächstes Jahr wird die Karawane wieder starten, vermutlich im Anschluss an den Aufstand. Eure Chance. Susanne Ott

