Fleischskandal
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Über Gammelfleisch und abgelaufe Haltbarkeitsdaten
Besser Essen nur für Deutsche
Während der s.g. Fleischskandal seinen bisher ungeahnten Höhepunkt erreicht, geht ein Detail vollkommen unter. In Bayern wurden Hähnchenschlegel mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum an Flüchtlinge verteilt. Von Lars Strojny
In bayerischen Flüchtlingslagern wird noch gegessen was auf den Tisch kommt oder – anders gesagt – was die Behörde an Flüchtlinge verteilt. In diesen Essenspaketen befanden sich Anfang Dezember nun Fleischprodukte mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Als sei die Praxis der Essenspakete nicht schon unmenschlich genug, so erfährt sie mit diesem Skandal eine Verschärfung: nicht nur, dass den Konsumenten dieser Rationen kein Geld gewährt wird, um der einzigen Wahl im Kapitalismus nachzugehen, der Wahl was und wo man einkauft, sondern die Nötigung, dass verdorbene Fleisch auch noch zu verzehren. Ein Asylbewerber in Neuburg an der Donau hatte nach Verzehr der verdorbenen Lebensmittel ein Krankenhaus aufgesucht und klagte über Übelkeit. Im Zuge dessen hatte er die Überschreitung des Haltbarkeitsdatums erwähnt und damit die Aufdeckung des Vorgangs erst ins Rollen gebracht. Zuvor waren Beschwerden in den Ämtern immer wieder abgewiesen worden. Aber dieser Fall ist nicht der einzige: auch in München klagten Betroffene über Magenbeschwerden, so der Bayerische Flüchtlingsrat.
Als Deutscher mit gültigem Pass ist der Fleischskandal eine relativ einfache Sache: entweder man ignoriert das Ganze und konsumiert munter weiter oder man sieht sich nach Alternativen um. Wenn aber nicht einmal die Möglichkeit besteht, sich zwischen verschiedenen Produkten zu entscheiden, nimmt die Szenerie absurde Züge an. Deutsche maßen sich nicht nur an Einwandern zu erklären wie sie ihren Müll zu trennen hätten, nein, sie sollen ihn auch noch verspeisen.

