Gentechnik - Eine Einfuehrung

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eine Einführung von Burkhard v. Stackelberg

Gentechnik ist, im Prinzip, die Fortsetzung dessen, was Pflanzen- und Tierzüchter seit eh und je tun: Lebewesen auf einen bestimmten Gebrauchszweck hin optimieren, wie etwa Ertrag, Resistenz, Arbeitskraft usw. Jahrtausende hat man einfach Sorten und Rassen mit interessanten Eigenschaften weitergezüchtet und gekreuzt, um dann Nachfahren mit hoffentlich ähnlichen oder besseren Eigenschaften zu gewinnen. Aber man war letztlich auf den Zufall angewiesen, daß die Natur einem bereits eine Variante mit den gewünschten Eigenschaften zuspielt.

Vor etwa 150 Jahren endeckte Gregor Mendel den Grund dafür, dass Nachfahren beiden Eltern ähneln: Erbanlagen, oder modern: Gene, die meistens paarweise (von Mutter und Vater) auftauchen, und die Eigenschaften eines Lebewesens festlegen. 100 Jahre hat es dann noch mal gebraucht, um den Träger dieser Erbanlagen zu finden und zu entschlüsseln: die DNA ('Desoxyribonukleinsäure'), zu klein um mit blosem Auge gesehen zu werden (muß schließlich in jede Zelle passen), und doch für ein Molekül ein wahrer Riese. Seither laufen Versuche, die darauf vorhandene Information zu lesen, zu verstehen und gezielt zu verändern: die Gentechnik war geboren.

Nach ersten unbeholfenen Schritten in den 50er bis 70er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist die Gentechnik heute ein einträglicher Industriezweig geworden. Je nachdem, was für Organismen verändert werden, haben sich Bezeichnungen eingebürgert, bei denen es zugeht wie auf einer italienischen Flagge: rote, weiße und grüne Gentechnik.

Contents

rote Gentechnik

"Rote" Gentechnik bezeichnet das Verändern des Erbguts von Tieren und Menschen. Ziel ist dabei meist die Herstellung von Medikamenten, die in Mikroorganismen (s. weiße Gentechnik) nicht erzeugt werden können, die Steigerung von Ertrag oder Resistenz einer Rasse sowie die Erforschung des Klonens, also der Herstellung identischer Kopien eines Individuums.

Die Medikamentenherstellung wird zunehmend in die "weiße" Gentechnik verlagert, da eine immer größere Vielfalt an Eiweißen auch von Bakterien und anderen Mikroorganismen hergestellt werden kann.

Die Gentechnik am Tier -- und am Menschen -- steht in der Kritik, weil zu ihren Zwecken große Mengen von Tieren und voraussichtlich auch menschlichen Embryonen vernutzt, verstümmelt und getötet werden oder werden sollen. Der Nutzen der roten Gentechnik für die Allgemeinheit ist recht umstritten, da dieser Bereich aufgrund der Kompliziertheit tierischer/menschlicher Organismen die langsamsten Fortschritte macht.

weiße Gentechnik

Die "weiße" Gentechnik, gelegentlich auch "graue", selten auch "gelbe" Gentechnik (die Farbgebung ist hier deutlich weniger offensichtlich als bei "rot" und "grün") stellt den technologisch- wirtschaftlich erfolgreichsten und ethisch am wenigsten umstrittenen Zweig der Gentechnik dar. Sie bezeichnet die Veränderung des Erbguts von Mikroorganismen, insbesondere Bakterien und Hefen, die dann oft großtechnisch genutzt werden, um Eiweiße oder bestimmte Stoffwechselprodukte herzustellen. Der erste große Erfolg der weißen Gentechnik war die Herstellung von Insulin, einem einfacheren Eiweiß-Molekül mit großer Bedeutung in der Behandlung von Diabetes.

Gegenüber der weißen Gentechnik wird hauptsächlich befürchtet, es sei möglich, Bakterien oder Viren zu "züchten", die weite Teile der Menschheit ausrotten könnten.

grüne Gentechnik

Die "grüne" Gentechnik, der zweite wirtschaftlich sehr erfolgreiche Bereich der Gentechnik, bezeichnet die Veränderung des Erbguts von Pflanzen, die dann meist landwirtschaftlich zum Einsatz kommen. Neben Ertrags- und Resistenz-Steigerung wird oft auch das Versehen mit zusätzlichen Substanzen angestrebt, etwa Pflanzenschutzmittel, Geschmacks- und Farbstoffe, oder sogar Medikamente.

Die grüne Gentechnik steht gleich wegen mehrerer Punkte unter Kritik, die unten etwas ausführlicher besprochen werden sollen:

  • Verdrängung alter Sorten
  • Einkreuzung in nicht-veränderte Sorten
  • unkontrollierte Verbreitung nicht allgemein akzeptierter Substanzen,

insbesondere Lebensmittel- und Umweltgifte

  • sie löst die Probleme, für die sie entwickelt wurde, nicht.

Furcht vor Supermutanten

Relativ weit verbreitet und durch Unterhaltungsmedien angefacht ist die Furcht vor Supermutanten, das sind Organismen, die aufgrund ihrer genetischen Ausstattung anderen dermaßen überlegen sind, daß sie eine große Zahl von Lebensformen ausrotten könnten.

Ich möchte dagegen argumentieren: Wenn eine solche Lebensform möglich wäre, dann hätte die Natur sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon hervorgebracht. Andererseits könnte man auch argumentieren, daß eben diese Lebensform in Gestalt des Menschen bereits existiert.

Andererseits war es ein langer Weg vom Einzeller zum Menschen, so daß kaum zu befürchten ist, daß ein neuer Supermutant in wenigen Züchtungsschritten erreichbar wäre.

Konzern-Versprechen und ihre Kehrseite

Gentechnik-Konzerne wie Syngente, Monsanto Aventis, BASF, Dupont und andere versprechen uns insbesondere durch die grüne Gentechnik eine Lösung des Welthungerproblems: Man müsse nur Pflanzen so manipulieren, daß sie auch unter ungünstigen Bedingungen große Erträge hervorbringen. Außerdem sollen sie mit Resistenzen versehen werden, durch die sie entweder Schädlinge in Schach halten können oder dem Einsatz von Breitband-Pflanzenschutzmitteln standhalten.

Diesem Versprechen stehen gleich mehrere Tatsachen entgegen:

  • Die Erde kann bereits ohne Gentechnik bis zu 12 Milliarden Menschen

nachhaltig ernähren; das eigentliche Problem ist die Verteilung der Nahrungsmittel und nicht deren Produktion. Besonders ungleiche Eigentumsverältnisse und bewaffnete Auseinandersetzungen stehen dem aber entgegen.

  • Die Lebensräume der Erde sind in der Regel bereits von hoch angepaßten

Lebensformen besetzt, so daß es äußerst unwahrscheinlich wird, dass für die jeweiligen Lebensbedingungen noch eine nachhaltig hochertragreiche Pflanze entwickelt werden kann.

  • Der beste Schutz gegen Fraßschäden ist eine ausreichende

Biodiversität, d.h. eine große Vielfalt der lokalen Pflanzenwelt. Indem man große Monokulturen vermeidet, haben "Schädlinge" (also Organismen, die den Ernteertrag mindern) wenig Verbreitungsmöglichkeiten. Viele Schädlinge haben überdies deutlich kürzere Generationszeiten (etwa Viren, Bakterien, Pilze und sich schnell ausbreitende Pflanzen) als die jeweiligen Nutzpflanzen. Damit können sie den Pflanzenresistenzen schneller ausweichen, als neue Resistenzfaktoren gefunden werden.

  • Die "Resistenzen" basieren für gewöhnlich auf teils hochgiftigen

Pflanzenschutzmitteln, die dann direkt von der Pflanze produziert werden und selten so spezifisch gezüchtet werden, daß sie nicht auch "Nützlinge" (Organismen, die den Ertrag steigern oder ökologisch aus anderen Gründen wünschenswert sind) treffen. Zum Teil finden sich überdies diese Gifte in unserer Nahrung wieder: Guten Appetit!

  • Züchtungen mit Resistenz gegen Breitband-Pflanzenschutzmitteln (z.B.

der Roundup-Ready-Mais von Monsanto) begünstigen den Gebrauch von ökologisch hoch schädlichen Mitteln (hier Roundup, ebenfalls Monsanto): Bis auf die Zielpflanze überlebt kein anderes Gewächs; darüber hinaus sind typischerweise auch die Bauern der Nachbarschaft geschädigt, die keine gentechnisch veränderten Pflanzen anbauen: In weitem Umkreis wächst nichts anderes mehr, wenn das Pflanzenschutzmittel großflächig per Flugzeug ausgetragen wird.

  • Pflanzengene sind ziemlich mobil: Mit Hilfe von Bakterien und Viren

wandern Pflanzengene öfters über Artgrenzen hinweg. Auf diese Weise kann sich eine ein mal angezüchtete Resistenz auch auf die Ernteschädlinge übertragen -- nur eine Frage der Zeit.

Darüberhinaus bringen Gentechnik-Konzerne ihre Abnehmer aus Profitabilitätsinteressen gerne in Abhängigkeit:

  • durch speziell gezüchtete Sorten, die nur sterile Samen hervorbringen

und so eine Nachzüchtung unmöglich machen,

  • durch Verdrängung anderer Pflanzensorten, etwa durch Pestizit-Einsatz
  • durch politische Maßnahmen, wie Patentschutz auf die von ihnen

gentechnisch veränderte Pflanzen, die eine freie Nachzüchtung verbieten

  • durch wilde Kreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen mit nicht

veränderter Pflanzen, die durch den Patentschutz dadurch ebenfalls lizenzpflichtig werden sollen.

Wie sich zeigt, ist insbesondere die "grüne" Gentechnik alles andere als grün. Dahinter stehen Profitinteressen großer Konzerne, die sich mit Umweltschutz oft nicht so recht vertragen wollen.

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