Instant
Aus Kritische Masse Wiki
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Buchrezensionen
von Lars Strojny
Instant Ideology
Eines morgens wachen ein paar zurückgebliebene Anarchisten aus langem, tiefen Winterschlaf auf, sie fragen sich warum ihre politischen Ideen inzwischen zumindest von der Begrifflichkeit im gesellschaftlichen Mainstream angekommen sind. Allerorts redet man von »Freiheit«, »Selbstbestimmung«, »Eigenverantwortung« und weiteren schönen Dingen, die doch schon ihre Altmeister Proudhoun, Bakunin und wie sie alle hießen ach so genau kannten. Sie beschließen ein Buch zu schreiben. Und weil sie einmal davon gehört haben, dass die derzeitige Phase der Menschheitsentwicklung »Postmoderne« heißt, ist der Titel dieses Buches schnell geklärt. Es soll »Anarchismus in der Postmoderne« heißen. Über die wenigen Seiten, die das Buch zählt (man soll durchschnittlich ja eher tumben Anarchisten auch nicht überanstrengen) kreisen die wirren Gedanken der Autoren immer wieder um die Fragestellung, warum man denn nun wirklich nichts und wieder nichts zur sozialen Frage zu sagen habe. Anstatt die naheliegende Möglichkeit zu wählen, dass dies ideologiehistorisch im Anarchismus so angelegt ist, bleibt als Ausflucht der Antispeziezismus, wie die Herabwertung des Menschen in der Postmoderne so schön heißt. Menschen und Tiere sind eigentlich gleich und Fleischesser sind Mörder. Diese wunderbare Flucht in den Tierschutz erscheint den Autoren probat: so muss man sich über gesellschaftliche Prozesse, moderne gesellschaftliche Entwicklungen und eine Revision des Anarchismus, die er dringend notwendig hätte, keine Gedanken machen, nein, man verlagert seine politische Theorie einfach auf die lieben Tierchen. Es gibt wenige Theoriebücher, egal welcher politischen Coleur, die dermaßen langweilig sind. Dieses Buch ist nicht einmal das Papier wert auf dem es steht. Es verhält sich mit ihm, wie mit Harry Potter: nur ein weiteres Buch das die Welt nicht braucht.
Instant Germany
Als würde Deutschland nicht ausreichen, nein, es gibt auch noch Österreich. Als wäre man als Linker mit Deutschland nicht schon sowieso überfordert. Diese Alpenrepublik zwischen Kaiserschmarrn und Germknödel, dessen provinzieller Charme so uncharmant ist, dass man es am liebsten wieder verlässt, wenn man erst einmal dort ist. An diesem Land hat sich nun Erwin Riess abgearbeitet. In neunzehn Kapiteln beschreibt er höchst komisch die Situation im Österreich im Nachkrieg. Laut Klappentext ist der Autor angetreten, österreichische Welträtsel zu lüften. Wie prächtig ihm das gelingt, beweist er im Buchinnern. Eine Defloration des österreichischen Liberalismus, eine prächtige Tirade auf selbige Sozialdemokratie und eine Abrechnung mit der Linken, die ihren Namen – ähnlich wie hierzulande – nicht zu verdienen scheint. Es geht um Opernballdemonstrationen und um die Frage: wer trifft sich nächstes Jahr in Stalingrad. Ein grandioses Buch, trotz des leichten Abfalls zum Ende hin. Ein antiösterreichisches Standardwerk.
Instant Karma
Selbst schuld. Das sind sie, die deutschen Vertriebenen. Dass sie bis heute Opferpolitik machen, schändlich genug. Leider hat sich diese einfache Erkenntnis noch eher nicht durchgesetzt, so dass es immer wieder erforderlich ist, doch noch Argumente zu bemühen, wo Ohrfeigen ausreichend wären. Diese Argumente zu liefern tritt Erich Später an, um am Beispiel Tschechien die Verstrickung der Sudetendeutschen in die Zerstörung der Demokratischen Republik Tschechien zu belegen. Das sprachlich hochwertige Buch wartet mit einer Fülle von Fakten auf, die sehr deutlich belegen: selbst schuld. Was die Qualität des Buches ausmacht, ist seine Verknüpfung von Meinung und Faktum. Weder ein reines Nachschlagewerk noch ein ausschließliches »Meinungsbuch«. Eine weitere Stärke des Buches, nicht beim Geschehen des Nationalsozialismus stehen zu bleiben, sondern die Verstrickungen von Nazi-Eliten und der nach 1945 gegründeten Sudetendeutschen Landsmannschaft nachzuweisen.
Buchdaten
Titel, Autor, Verlag, Jahr, Preis, ISBN
- Reiche ich nach
- --mastaYoda 19:53, 15. Dez 2005 (CET)

