Preiskampf auf dem deutschen Milchmarkt

Aus Kritische Masse Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Quelle: Der folgende Artikel erschien im Februar 2004 in der kritischen Masse Nr. 50 auf Seite 21 oben


MILCH MACHT MÄRKTE MÖRDERISCH

Preiskampf auf dem deutschen Milchmarkt

Opfer der deutschen Milchwirtschaft sind die Bauern. Schuld daran ist der Preiskampf auf dem Markt, der hauptsächlich vom Konsumentenverhalten bestimmt wird. Steigende Lohnnebenkosten, Steuer- und Abgaben-erhöhungen, vorraussichtliche Einführung der LkW-Maut sowie die EU Agrarpolitik werden das Leben der Milchbauern zusätzlich erschweren.

In den jährlichen Verhandlungen über Trinkmilch ist der Discounter Aldi wortführend. Die von Aldi verlangten fortlaufenden Preissenkungen können unsere Milchbauern und Molkereien nicht mehr hinnehmen. So erhofften sich letztere in diesem Jahr eine Preissteigerung von 1 bis 2 Cent pro Liter Milch. Aldi hingegen verlangte eine Preissenkung von ebenso 1 bis 2 Cent pro Liter. Die Uneinigkeit erreichte ein drastisches Ausmaß. Aldi drohte mit der Verlagerung des Milcheinkaufs ins Ausland. Letztendlich kamen weder die Lieferanten noch Aldi zu ihrem Ziel. Lediglich auf eine effektive Nullrunde konnten sich die Vertragspartner einlassen. Die Molkereien hätten die durch eine weitere Preissenkung ausgelöste Preislawine bei Milchprodukten, die wiederum negative Auswirkungen auf den Betrieb der Milchbauern gehabt hätte, nicht verantworten wollen und können. Aldi hat die Macht, „das Preisniveau für über 4 Mrd. l haltbare und frische Trinkmilch” (milchwirtschaft) in Deutschland festzulegen. Andere Discounter wie Penny oder Wal-Markt profitieren in erheblichen Maß von den Aldi-Kontrakten, denn die von Aldi mit den Lieferanten beschlossenen Verträge, können sie sich leicht zunutze machen, in dem sie sie zur Grundlage ihrer Verhandlungen nehmen. Opfer sind dann wiederum weitere Bauern und Molkereien. Ihre Machtposititon schöpfen sich die Discounter, allen voran Aldi, aus dem Verhalten der Verbraucher. Der Trend auf dem deutschen Markt geht weiter Richtung Discount. Erstaunlich ist, daß der Verbraucher inzwischen sogar weniger für Milch bezahlt, als vor der Einführung des Euro.

Bio-Milch

Mit weitaus größeren Geldeinbußen müssen Biomilchbauern haushalten. „Preisverfall aufgrund des Überangebots und Verteilungsmachtkämpfe zwischen Großanbietern wie Denree und Rapunzel..., die Konkurrenz von Bio-Supermärkten” (netzwerk-regenbogen) sowie Rabattaktionen sind zur Zeit die leitenden Faktoren auf dem Biomilchmarkt. Die Preisvereinbarungen auf dem konventionellen Milchmarkt haben ebenfalls ihre Auswirkungen auf die Biomilchbauern, da die Biopreise an jene gekoppelt sind. Aufgrund der Gegebenheiten schlossen sich 560 Biomilch-Lieferanten aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu einer Aktionsgemeinschaft zusammen, und führten am 06. und 07. September 2003 einen Warnstreik durch. Sie lieferten 2 Tage lang keine Milch. In der Aktionsgemeinschaft können die Mitglieder nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden. „Zudem erhoffen sich die Biomilchlieferanten, mit ihrer konsequenten Aktion auch die konventionellen Kollegen zu ermutigen, sich gegen das ebenfalls für sie ruinöse Milch-Preisdumping im Lebensmittelhandel zu wehren.” (Bioland) Bei den Preisverhandlungen über Biomilch haben die Marktführer Scheitz und Söbbeke das Sagen. Die „Milchgeldauszahlungspreise lagen im Jahr 2002 im Jahresdurchschnitt bei 34,3Cent netto pro kg Milch und damit rund 3,5 bis 4,5 Cent unter dem Vorjahresniveau 2001: Das entspricht einem Umsatzrückgang von 10% und einem Einkommensverlust von 30-40%! Und auch in diesem Jahr geht die Talfahrt weiter: im Juni zahlten beide Molkereien Ihren Lieferanten nur noch 31 bzw. 31,5 Cent pro kg Biomilch aus.” (Bioland) Auch der Abstand von konventionellen zu Biomilchpreisen ist um gut über 1 Cent pro kg Milch gesunken. „Immer mehr einheimische Landwirte müssen bei den sinkenden Erzeugerpreisen ihre Höfe aufgeben.” (netzwerk-regenbogen) Die Überproduktion bei den Biomilchbauern und der Trend zum Discount deutet darauf hin, daß die Verbraucher in Deutschland nicht mehr allzusehr nach Qualitätsurteilen und ideellen Werten handeln.

ZMP-Marktforschung

„Die ZMP (Zentrale Markt- und Preisberichtstelle für Erzeugnisse der Land und Ernährungswirtschaft GmbH) schafft Transparenz auf den Märkten der Agrar- und Ernährungswirtschaft vom Erzeuger bis zum Verbraucher.” (ZMP) Die ZMP gibt bekannt, daß im letzten Jahr 3,9% der Betriebe die Milchviehhaltung einstellen mußten, das entspricht eine Anzahl. von 5000 Betrieben. Am 18. und 19. März 2004 findet das 10. ZMP-Milchforum statt. Auch die Marktforschung hat erkannt, daß es um unsere Milchbauern nicht gut gestellt ist. Zum Arbeitsthema macht sich daher das Forum : „Milchmarkt 2010 - Wer bleibt am Markt?” Namhafte Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft werden auf internationaler Ebene zum ZMP-Milchforum erwartet. Im letzten Jahr nahmen 450 Besucher am Forum teil.

Die Milchkuh

Den wichtigsten Arbeitsprozeß in der Milchwirtschaft übernimmt die Milchkuh. Richtlinien und Haltungsverordnungen berücksichtigen inzwischen Bedenken der Tierschützer. Für die Haltung von Nutztieren sind diese Verordnungen verbindlich. Erheblichen Stress sind die Tiere während des Transports ausgesetzt. Die EU verabschiedete Richtlinien für Tiertransporte. „Danach sind Tiertransporte nur noch in speziell ausgerüsteten Transportfahrzeugen, mit festgelgten Transportzeiten und qualifiziertem Fahrpersonal zulässig. Grenzüberschreitende Transporte erfordern Sondergenehmigungen und sind an strenge Auflagen gebunden.” (idw) Um die Milchleistung einer Kuh zu erhöhen, werden in den konventionellen Milchbetrieben Unmengen an Medikamenten wie Hormone, Simulanzien oder genetisch behandelte Futtermittel eingesetzt..Dabei ist das mitteleuropäische Klima nahezu optimal für die Milchleistung der Kühe. Verminderte Leistungen erbringen unsere Milchkühe erst ab -27 C bzw. ab +24 C. Die Milchleistung einer Kuh ist seit den 50`er Jahren um das Doppelte angestiegen. Die Euter sind zu groß, was wiederum zur Belastung der Kuh geworden ist. So wie alle Säugetiere geben Kühe nur während der Lactationszeit (Stillzeit) Milch, die für ihre Jungen gedacht ist. Um die Milchproduktion einer Kuh aufrecht zu erhalten, ist sie, Mittels künstlicher Befruchtung, fast ständig schwanger. Um die Kuh zur gewünschten Zeit, erfolgreich zu schwängern, werden wiederum Medikamente benötigt. Gebärt die Kuh nach neun monatiger Schwangerschaft, wird ihr das Kalb bereits am selben Tag weggenommen. Diese Prozedur wiederholt sich nach 60 Tagen. Die Kuh wird bis zum 7.Monat ihrer Schwangerschaft weiterhin an Melkmaschinen angeschlossen. Es liegt im Ermessen des Bauerns, der Kuh dann eine „Ruhepause” zu gönnen. Werden die Kälber zu Milchkühen aufgezogen, so wird ihnen ein Brei aus Trockenmilchpulver und Kraftfutter verabreicht. Unter diesen Stressbedingungen sind Gesundheitsschäden vorprogrammiert. Meßgeräte, die tierphysiologische Parameter wie Körpertemperatur, Herzfrequenz etc. ständig auswerten, werden in landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt. „Der Landwirt ist somit in der Lage, sich zu jeder Zeit einen Überblick über das Gesundheitsgeschehen [=Elend] seines Tierbestandes zu verschaffen.” (idw) Sermie Yilmaz

Quellenverzeichnis:

  • www. netzwerk-regenbogen.de
  • www. milchwirtschaft.de
  • www. zmp.de
  • www. bioland.de
  • Presseinformation 15/2001, Informartionsdienst Wissenschaft (idw)- Pressemitteilung, Insitut für Agrartechnik Bornim e.V., 14.05.2001
  • Bild:www.tieraerzte-sachsen.de/Verbraucher/Vortrag_2003/Vortrag_Milch.pdf S.33
Persönliche Werkzeuge