Procontra

Aus Kritische Masse Wiki

Wechseln zu: Navigation, Suche

Studiengebühren – pro & contra

Die wichtigsten Argumente auf einen Blick

PRO:

- mehr Geld steht für Finanzierung und Effizienz der Hochschulen zur Verfügung (sog. »Drittmittel«)
- »Geschäftsverhältnis« zwischen Hochschule und „Kunden“ bringt mehr Mitspracherecht der Studis und mehr Verantwortungsbewusstsein der Lehrenden
- schnelleres und effizienteres Studierverhalten
- soziale Gerechtigkeit: da hauptsächlich Oberschichten studieren, ist es ungerecht, wenn das Studium durch die Steuergelder von Arbeitnehmern aus allen Schichten gezahlt wird


CONTRA:

- Heuchelei: Trotz Studiengebühren soll am Bildungswesen gekürzt werden, z.B. durch den geplanten zweiten Solidarpakt 2007; es wird überdeutlich, dass die Studiengebühren keineswegs den Hochschulen zugute kommen, sondern vor allem der Sanierung der Landeshaushalte dienen
- Heuchelei 2: Die besseren Mitspacherechte kommen nicht automatisch mit den Studiengebühren, vor allem nicht, wenn die Landesregierung eine ganz andere Politik macht: Seit 32 Jahren sind Verfasste Studierendenschaften in Deutschland verboten, und erst vor circa einem Jahr hat das Landeshochschulgesetz die Mitspracherechte von Studierenden weiter eingeschränkt
- Kundenargument unlogisch, da ein Kunde z.B.beim Lebensmittel kaufen die Auswahl zwischen verschienden Anbietern hat, die Studiengebühren aber überall gleich sind
- Gefahr, dass sich Universitäten ihre Studierenden nach finanzieller Bonität aussuchen
- Ineffizienz: allein 40% der Einahmen von Studiengebühren werden für die Verwaltung der Studienfonds benötigt
- die z.B. in Deutschland rückläufige Zahl der Studierenden wird noch gravierender werden
- durch die Kapazitätsverordnung wird festgelegt, dass immer etwa das gleiche Verhältnis von Studierenden und Lehrenden besteht ; weniger Studierende bedeutet auch weniger Lehrende
- Studiengebühren werden nicht für ein schnelleres und effektiveres Studierverhalten suchen, da viele Studierende nebenher arbeiten müssen und daher weniger Zeit für Studieren aufbringen können und langsamer studieren müssen
- es ist auch fraglich, ob schnelleres und effektiveres Studieren für die individuelle Bildung und die Wissenschaft als solches sinnvoll ist (s. Artikel S. x: »Die Zerstörung des Anders-Wissens«)
- es ist fast unmöglich, Studiengebühren wieder rückgängig zu machen, wenn die Gelder einmal im Haushaltskreislauf integriert sind
- durch das Schaffen von Tatsachen ändert sich auch die Argumentationsgrundlage für Ausbildungsgeld und Schulgeld, worüber tatsächlich bereits manche Politiker laut nachgedacht haben
- das Argument der sozialen Gerechtigkeit ist zynisch: Denn sozial benachteiligte Schichten haben ohnehin bereits erschwerten Zugang zu Hochschulbildung (v.a. in Deutschland); anstatt dies zu ändern z.B. durch die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems oder Gebührenfreiheit vom Kindergarten an, werden ArbeiterInnen und Studierende gegeneinander ausgespielt, obwohl gerade Studierende aus unteren Bevölkerungsschichten am meisten unter den Studiengebühren leiden werden
- Paragraph 13 der UN-Menschenrechtscharta enthält das Recht auf Bildung und verpflichtet die Unterzeichnerstaaten zur Etablierung eines unentgeltlichen (!) Bildungssystems – Studiengebühren verstoßen also gegen UNO-Verträge und die Menschenrechte!

Persönliche Werkzeuge