Quito Proteste von Martin
Aus Kritische Masse Wiki
Proteste in Quito
Traenengas kriecht lautlos durch Quitos Strassen. Vorbei an hastig geschlossenen Fenstern und Tueren. Vorbei an auf Lippen gepressten T-Shirts, an hustenden Verkaeufern und weinenden Kindern. Unsichtbar. Es sei denn, du bist in der Naehe wenn die Granate explodiert und siehst das weisse Gas aufsteigen. Dann brauchst du aber keine beissenden Rauchzeichen, um zu wissen was passiert: Vermummte Schueler und Studenten, gepanzerte Polizisten. Steine fliegen. Menschenmassen sammeln sich vor der Universitaet. Draengen sich durch die Gassen der Altstadt, um dem Wasserwerfer zu entkommen und kehren zurueck, sobald er vorbeigerollt ist. Von den Haeuserdaechern aus beobachen die Anwohner das Katz-und-Maus spiel. Manchmal ist sogar das Leuchten eines Molotovcocktails zu sehen, der sein gelbes Feuer ueber ein Panzerfahrzeug giesst. Alle para Meter bekommt man Zigaretten angeboten, sie lindern die Wirkung des Traenengases. Viele Geschaefte sind hingegen schon eine Woche lang geschlossen, und in Teilen der Altstadt kann man sich nur mit Vorsicht bewegen. Trotzdem scheinen die Sympathien bei den jungen Demonstranten zu liegen. Auch wenn das “Abenteuer Ausnahmezustand” sicher auf viele von ihnen einen gewissen Reiz ausuebt, so sind ihre Ziele doch durchaus politisch: Die Studentenvertretung hat zum Widerstand gegen die Preiserhoehung in den Stadtbussen aufgerufen. Gleichzeitig richten sich die Proteste aber auch gegen die Unterzeichnung des Freihandelsvertrages TLC, sowie gegen die wirtschaftliche und oekologische Ausbeutung Ecuadors durch den Oelkonzern OXY. Die Arbeitergewerkschaft wird ebenfalls auf die Strasse gehen, denn seit Ecuadors “Sucre” im Jahr 2000 offiziell durch den US-Dollar ersetzt wurde, sind die Lebenskosten deutlich gestiegen. Vereint sehen sich die beiden Generationen in ihrer Forderung an die Regierung, die Beduerfnisse der Menschen ueber Interesen internetionaler Konzerne zu stellen. Die politische Gegenwart weisst aber in eine andere Richtung, und wann Quitos Bewohner wieder aufatmen koennen bleibt ungewiss.
Martin Weller, 20 Januar 2006, Quito

