Totschlag der Anarchie?
Aus Kritische Masse Wiki
Quelle: Der folgende Artikel erschien im Februar 2004 in der Kritischen Masse Nr.50 auf Seite 13 links unten
Der Totschlag der Anarchie
oder der Beweis, dass es nicht auch mal anders funktioniert?
Kommunismus? Das ist doch von gestern! Anarchie? Bist du übergeschnappt? Alternative Gesellschaftskonzepte? Kannst du alleine machen! Das wird alles niemals funktionieren. Sagen sie alle. Alle. Bis auf ein paar Spinner, die auf Jak's, Jukss'en, Aufständen und ähnlichen Chaotentreffs das Gegenteil beweisen wollen. Da helfen die Leute freiwillig beim Spülen und Klo putzen, da hat man Freude beim gemeinsamen veganen Kochen, da bekommt man die Matratzen der anderen und bringt sie auch zurück, da gehört alles allen und keiner missbraucht es, und wenn doch mal eine Unkostenkasse dasteht, dann braucht es keine Bestimmer und keine Überwacher, denn die Leute bezahlen von sich aus und kennen das Wort "persönliche Bereicherung" noch nicht mal im Traum.
So sieht es in der Theorie aus. Naja, in der Praxis auch größtenteils. Eine im kleinen vorgelebte Anarchie. Und wenn man seine Augen nur weit genug zumacht, dann übersieht man sogar, dass 50 Euro in der JAK-Kasse fehlen, dass die Matratzen im JAK-Café mit in den Fußboden gedrehten Schrauben vertauscht wurden, dass die vielen freiwilligen Helfer dem Küchendienst gemütlich im Sessel sitzend passiv zuschauend beiwohnten und am letzten JAK-Tag einer Teilnehmerin in ihrem eigenen Schlafraum der Geldbeutel ausgeräumt wurde. Dass manchen Kindern unserer Überflussgesellschaft ein Gefühl für den Zeitpunkt fehlt, an dem es beginnt, assozial zu werden, in direkter Nachbarschaft zu arbeitenden Menschen diese zu ignorieren, lässt sich ja noch verstehen, aber dass das gegenseitige Vertrauen, dass die JAK-Atmosphäre beherrscht hat, ausgerechnet auf einem Kongress voller alternativer (?) Menschen in Diebstahl mündet, ist ein herber Schlag ins Gesicht all jener, die an die Möglichkeit einer Welt ohne Schlösser, ohne Ketten, ohne Knäste und ohne Strafen glauben!
"Der Traum ist aus - aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird.:" - Wenn das Rio Reiser wüsste... Mandus Craiss
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